in

Das Open Office Konzept ist für die Katz

und die Alternativen

Der Begriff “Open Office” entstammt der sogenannten New Work-Bewegung, mit der Arbeiten eigenständiger und menschlicher werden sollen. Menschlicher? Diese Behauptung stößt bei vielen, die bereits in einem Open Office gearbeitet haben, auf Ungläubigkeit. Schließlich haben die meisten von ihnen eher schlechte Erfahrungen mit der Neuauflage des Großraumbüros gemacht.

Was bedeutet “Open Office”?

Open Office bedeutet, dass die Arbeitsplätze in einer offenen Bürolandschaft angeordnet sind. Weder Teams noch Einzelpersonen sind also räumlich voneinander abgegrenzt. Stattdessen befinden sich alle Schreibtische in einem einzigen großen Raum. Lediglich Meetingräume und Kaffeeküche sind abgetrennt – kurzum: Es handelt sich um ein Großraumbüro im klassischen Sinne.

Die Vorteile, an die jeder glaubt

Bereits in den 1970er Jahren war das Großraumbüro ein vielversprechender Hoffnungsträger und zwar aus denselben Gründen wie heute: Der Austausch zwischen den Mitarbeitern soll gefördert und das gemeinsame Arbeiten somit sozialer werden. Außerdem sei das Open Office platzsparender, es stärke das Gemeinschaftsgefühl und solle die Mitarbeiter darüber hinaus noch effizienter machen. Durch das Phänomen der sozialen Kontrolle, also das Bewusstsein darüber, dass einem jederzeit von seinen Kollegen zugeschaut werden kann, sollen Mitarbeiter sogar noch produktiver werden.

Warum das Open Office in Wahrheit für die Katz ist

Einige dieser Vorteile sind nachvollziehbar. Doch warum hassen viele das Open Office dann so sehr? Nun, es gibt zahlreiche gute Gründe, warum das Großraumbüro eigentlich längst ausgedient haben sollte. Im Folgenden haben wir fünf davon aufgearbeitet.

1. Kognitive Belastung, wachsender Stresspegel… und höhere Krankheitsgefahr?
Der erste Grund liegt auf der Hand: Im Open Office lässt sich ein grundsätzlicher Geräuschpegel nicht vermeiden. Gerade weil das Konzept den sozialen Austausch fördern soll, entstehen viele Gespräche – und jeder darf (muss?) zumindest ein bisschen mithören.

2. Mehr Stress und höhere Krankheitsgefahr
Inmitten von tausenden sozialer Interaktionen soll schließlich die Arbeit erledigt werden. Der permanente Geräuschpegel erschwert das Konzentrieren und erhöht das persönliche Stressempfinden maßgeblich. Doch auch körperliche Krankheiten kann das Open Office mit sich bringen: Eine erkältete Person kann es hier schaffen, binnen weniger Stunden die gesamte Abteilung anzustecken.

3. Soziale Kontrolle und das schlechte Bauchgefühl
Ein weiterer vermeintlicher Vorteil des Open Office wird in der Praxis eher ins Gegenteil verkehrt. Soziale Kontrolle mag für Chefs schön sein, für die Mitarbeiter bedeutet es aber nur Druck. Mal kurz eine SMS schreiben? Mal fünf Minuten abschalten? Das funktioniert auch im Großraumbüro, allerdings kann eben jeder genau beobachten, wie lange nicht gearbeitet wird.

4. Weniger effizientes Arbeiten durch permanente Verfügbarkeit
Was bedeutet es, keinen Rückzugsort beim Arbeiten zu haben? Nun, wenn es keine Tür zu schließen gibt, ist man quasi immer ansprechbar. Der Arbeitsplatz im Open Office signalisiert also, dass man jederzeit den Kollegen konsultieren kann. Das Resultat: kaum eine Stunde Arbeit am Stück, in der man nicht nach einer Auskunft oder nach einem Gefallen gefragt wird.

5. Meetings, Telefonieren und co.: Einige Dinge werden zum Kraftakt
Auch der vermeintliche Pluspunkt Produktivität scheint sich bei näherer Betrachtung in Luft aufzulösen: Wer einmal ein längeres Telefonat mit einem Kunden führen muss oder einen kurzen privaten Anruf tätigen will (etwa weil der Hausarzt eben nur Sprechzeiten während der eigenen Arbeitszeiten hat), der muss oft aufwändig nach freien Räumen suchen oder nach draußen gehen. Meetings in der Kaffeeküche oder auf dem Flur werden hier ebenso zur Normalität wie Meetings am Platz, die dann die umsitzenden Kollegen beim Arbeiten stören.

Begleiterscheinungen des Open Office: Clean Desk Policy und co.

Das Open Office geht meist noch mit anderen New Work-Maßnahmen einher. Eine davon, die besonders häufig zusammen mit dem Open Office eingeführt wird, ist die Clean Desk-Policy: Hier suchen sich Mitarbeiter jeden Tag einen neuen Schreibtisch. Dadurch soll das Team immer wieder durchgemischt und jeder einzelne die Chance auf eine neue Perspektive im Raum haben. Der Nachteil? Wer jeden Abend seine Sachen zusammenräumen muss, muss sich jeden Morgen neu ordnen. Und ein Gefühl von Gemütlichkeit kommt auch nicht auf.

Überleben im Open Office: kleine Tipps und Tricks

Doch was tun, wenn es keinen Ausweg aus dem Open Office gibt? Wer merkt, dass seine Produktivität schwindet, der kann sich zunächst an seinen Vorgesetzten wenden. Oft können gute Lösungen wie Home Office-Regelungen oder die Anschaffung von schalldichten Meeting-Kabinen vereinbart werden. In der Übergangszeit können bestehende Meeting-Räume stundenweise zum kollektiven Stillarbeiten geblockt werden und Noise-Cancelling-Kopfhörer zum Einsatz kommen.

Und was meinst du?

Andrzej Fink

Von Andrzej Fink

Ich bin Informatiker und Unternehmer. Jobriver.de ist unsere IT-Jobbörse für Düsseldorfer Unternehmen. Neben unserem Portal betreibe ich noch andere Unternehmen. Privat bin ich ein großer Liebhaber von Möpsen und ich lebe in Düsseldorf.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Lade…

0

Automatisierung: Chance oder Risiko

Deutschland & Digitalisierung – Sind wir für die Zukunft bereit?